Die entfernte Wand, die hätte stehen bleiben müssen
Diese Woche wurde ich gebeten, ein Haus mit schnell wachsenden Rissen zu begutachten. Das Bauunternehmen hatte im Erdgeschoss eine Wand A senkrecht zur Rückfassade entfernt und, wie häufig, einen Abfangträger eingebaut, um die Vertikallast aufzunehmen. Bei diesem Haus aus den 1920er-Jahren gab es jedoch eine Besonderheit. Im ersten Obergeschoss gab es keine tragende Wand (= Außenmauerwerk in Längsrichtung). Die Aussteifung in Längsrichtung übernahm stattdessen eine Trennwand B zwischen Bad und Schlafzimmer. Wand B stand über Wand A.
Nach dem Entfernen von Wand A konnte Wand B ihre Horizontallast nicht mehr ohne große Verformungen in die Gründung abtragen, wodurch die Risse schnell wuchsen. Mit einem Portalrahmen in Längsrichtung lassen sich die Horizontallasten wieder ohne große Verformungen in die Gründung ableiten.
